
China ist ein Land mit zwei Gesichtern.
China ist ein Land voller Widersprüche. Viele Menschen begegnen den Herausforderungen ihres Alltags mit großem Optimismus, Leistungsbereitschaft und Zukunftsglauben. Wer durch chinesische Städte geht, erlebt Dynamik, Fortschritt und wirtschaftlichen Ehrgeiz. Zuweilen könnte man fast den Eindruck gewinnen, man bewege sich in einem freien Land.
Doch dieser Eindruck bleibt unvollständig. Denn zur Realität Chinas gehört auch eine andere Seite: politische Kontrolle, eingeschränkte Freiheit und eine wirtschaftliche Ordnung, die in vielen Bereichen nicht den Regeln des fairen Wettbewerbs folgt. Die Kommunistische Partei hält die Zügel fest in der Hand – und das spüren die Menschen bis in ihren Alltag.
Gerade diese Widersprüchlichkeit prägt unseren Umgang mit der Volksrepublik China. Der Parteiendialog der CDU mit der Kommunistischen Partei Chinas ist dabei sicher kein naheliegendes Format. Aber gerade deshalb ist er wichtig. Wer Interessen vertreten will, muss auch dort sprechen, wo es unbequem ist. Dialog bedeutet nicht Naivität. Dialog bedeutet, deutsche und europäische Interessen klar zu benennen.
China ist heute nicht nur Partner und Wettbewerber, sondern auch systemischer Rivale. Staatliche Subventionen, massive Überkapazitäten, Marktverzerrungen, Marktzugangsbeschränkungen und ein ungleiches Wettbewerbsumfeld setzen Europa und besonders Deutschland unter Druck. Unser industrieller Kern steht vor großen Herausforderungen. Gleichzeitig stammt inzwischen ein erheblicher Teil der importierten Produkte auf dem EU-Binnenmarkt aus China.
Deshalb müssen Deutschland und Europa ihre wirtschaftliche Stärke entschlossener einsetzen. Wir brauchen faire Wettbewerbsbedingungen, echten Marktzugang und klare Regeln im internationalen Handel. Die Europäische Union darf ihre Marktmacht nicht nur beschreiben, sie muss sie auch gezielt nutzen. Wenn die Beschlüsse des Europäischen Rates konsequent umgesetzt werden, wird das auch in Peking wahrgenommen werden.
Unsere Beziehung zu China steht an einem entscheidenden Punkt. Peking kann sich für Stabilität, Verlässlichkeit und konkrete Vereinbarungen entscheiden. Oder Europa wird stärker handeln müssen, um seine Interessen, seine Industrie und seine wirtschaftliche Souveränität zu schützen.
So wie es ist, kann es nicht bleiben.